Ferien an der Deutschen Schülerakademie (Schülerbericht)

16 Tage, eine abgelegene Klosterschule irgendwo in Thüringen und knapp mehr als 100 Menschen, die ich, mit einer Ausnahme, nie zuvor gesehen habe. Unzählige interne Abkürzungen, die ich hier im Bericht ein wenig einbauen werde, den Druck der Dokumentation und viel, viel Schlafmangel. So ungefähr sah mein Sommer dieses Jahres aus, und ich würde ihn jedes Mal wiederholen, wenn ich könnte.
Ich hatte die große Chance, an der Deutschen Schülerakademie (DSA) als Teilnehmerin (TN) zu partizipieren. Das Prinzip der DSA erscheint zunächst womöglich ein wenig überfordernd, aber es ist simpel erklärt.
Die Deutsche Schülerakademie ist ein außerschulisches Programm des Talentförderzentrums Bildung und Begabung und wird von verschiedenen Stiftungen unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten finanziert. Im Rahmen dieses Programms finden sich jedes Jahr für etwas mehr als zwei Wochen an mehreren Standorten Schüler und Schülerinnen der Oberstufe aus ganz Deutschland, und in meiner Akademie, auch Personen aus den Vereinigten Staaten, Japan und der Schweiz, zusammen. Dabei gilt, dass in der Regel nur eine Person pro Schule teilnehmen darf und sich die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler somit nicht kennen. Auch dürfen die Teilnehmenden nur einmal in ihrer Schulbahn an einer solchen Schülerakademie teilnehmen.

An den jeweiligen Akademiestandorten finden jeweils sechs Kurse, die den gesellschafts-, naturwissenschaftlichen und künstlerischen Bereich abdecken statt, in welche sich die Schüler und Schülerinnen zuvor im Frühjahr einwählen können. Diese Kurse reichten an meinem Akademiestandort in Roßleben von biologischen Algorithmen und nachhaltiger Architektur über das Gebiet von Public History und der Sonne und den Sternen bis zum Bauen eines Lasers. Die Kurse fanden zweimal täglich in verschiedenen Kursschienen statt, dennoch blieb zwischen und nach den Kursschienen noch viel Zeit für weitere Aktivtäten wie kursübergreifende Musik-, Sport- und Freizeitaktivitäten, die meist von den TN geleitet wurden.

In meinem Kurs „Haben Menschenrechte eigentlich recht?“ ging es um die Menschenrechtskritiken verschiedener Philosophen, Politiker und Aktivisten, wie Hannah Arendt, Karl Marx und Carl Schmitt. Ich und die 15 anderen Schüler und Schülerinnen in meinem Kurs sollten im Voraus kleine Referate vorbereiten und die insgesamt sieben Menschenrechtskritiken lesen. Ich hatte anfangs die Befürchtung, dass der Kurs sehr theoretisch und trocken sein würde, dem war jedoch nicht, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass der sogenannte „Menschenrechtskurs“ der Beste der Akademie war.

Im Verlauf des Kurses gab es eine Expedition nach Weimar, bei der wir uns mit dem Oberbürgermeister über den Weimarer Menschenrechtspreis ausgetauscht haben, und das Verfassen einer sogenannten „Doku“, ein 5-6seitiges Dokument, bei der sich der Kurs in Kleingruppen aufteilen und über ein kursbezogenes Thema nach Wahl schreiben sollte. Die Doku war für die gesamte Akademie verpflichtend, weswegen nachts in der Mensa oft noch vereinzelt TN saßen und an ihrer Doku tippten. Meine kleine Gruppe und ich hatten beispielsweise über die Vorteile der Arbeitsplätze, die von Männern dominiert werden und dessen Auswirkungen auf geschlechterspezifische Stereotypen thematisiert und uns somit auf feministische Menschenrechtskritik bezogen.

Dennoch ist die DSA keinesfalls mit einer Schulerfahrung zu vergleichen, schon aus einfachem Grunde, dass sich jeder dort geduzt hat, man sich jeden Morgen vor dem Kursbeginn in dem Plenum auf den neusten Stand brachte und wir einen eigenen Nachrichtendienst, gegründet von TN, hatten. Es gab unzählige Veranstaltungen, ein Konzert vor dem Dorf, ein Sportturnier, einen Wandertag und eines nachts hatte der sogenannte „Astronomiekurs“ die ganze Akademie zum Sterneschauen eingeladen, wobei es uns gelang, klar und deutlich die Milchstraße zu sehen, eines meiner absoluten Highlights.

Ich habe unfassbar tolle Leute kennengelernt und wir sind innerhalb unserer Freundesgruppe, aber auch als Akademie so zusammengeschweißt, dass es regelrecht für jeden, der diese 16 Tage dort verbracht hat, schmerzhaft war, die Heimreise anzutreten, weswegen wir uns alle in den Armen lagen, auch mit Personen, mit denen man vielleicht nicht so viel gesprochen hatte. Der letzte Abend war mit der Party und dem Briefe schreiben verplant, weswegen er auch dementsprechend emotional für alle war. Wir alle stehen noch in Kontakt und auch unsere Akademieleiter und Kursleiter texten uns noch regelmäßig, da man als Außenstehender und Außenstehende schwer verstehen kann, wie es ist nach so einer intensiven Erfahrung wieder in seinen normalen Alltag einzusteigen. Unser Akademieleiter, Tobias, pflegte immer zu sagen, dass wir in ein „Akademie-Loch“ stürzen würden und im Nachhinein hatte er recht. Meine kleine Akademie Roßleben und vor allem mein Kurs 5.5 ist mir meine kleine Familie geworden, an der ich jetzt, Monate nach der Akademiezeit, noch sehr hänge.

Ich kann nur jedem Schüler und jeder Schülerin empfehlen, dort teilzunehmen. Es war eine der prägendsten und schönsten Erfahrungen in meinem Leben und ich würde meine Akademie jeden Sommer aufs Neue wiederholen, wenn ich könnte. Vielen Dank an alle, besonders an Frau Bürmann und meine Eltern, die mir eine Teilnahme an der Deutschen Schülerakademie vorschlugen und ermöglichen konnten.


Destina K.